Kategorie: Netzpolitik

  • Wolf: „Bundesrat folgt NRW-Gesetzesinitiative zur Gemeinnützigkeit von Freifunk“

    Wolf: „Bundesrat folgt NRW-Gesetzesinitiative zur Gemeinnützigkeit von Freifunk“

    Der Bundesrat hat in seiner heutigen Sitzung der Initiative aus NRW zugestimmt. Freifunk-Vereine sollen künftig als gemeinnützig anerkannt werden können. Dafür soll es eine Änderung der Abgabenordnung geben.

    „Hier in Remscheid habe ich mich gemeinsam mit der SPD schon oft mit der Freifunkinitiative getroffen und dabei auch viele Bedenken in meiner eigenen Partei ausräumen können. Wir haben uns Router einrichten lassen, diese im Büro der Remscheider SPD aufgestellt und an unsere Mitglieder verteilt. Im Stadtrat haben wir die Idee des Jugendrats aufgegriffen und von der Stadtverwaltung die flächendeckende Einführung des Freifunks eingefordert“, berichtet Wolf.

    In Freifunk-Initiativen bauen Ehrenamtliche kostenlose Kommunikationsnetzwerke auf. Durch bereitgestellte Leitungen oder indem Nutzerinnen und Nutzer einen Teil der Bandbreite ihrer privaten Internetanschlüsse zur Verfügung stellen, entstehen Zugänge ins Internet. Diese Netze können von allen Bürgerinnen und Bürgern genutzt werden. Beim gemeinsamen Aufbau der Netze lernen sie außerdem von den Freifunkern, wie IT-Infrastrukturen aufgebaut sind.

    „Bisher dürfen die Vereine keine Spendenquittungen ausstellen und sind damit für Spenden nicht so attraktiv. Das soll sich jetzt ändern“, so Wolf.

    Das Gesetz wird nun der Bundesregierung zur Stellungnahme zugeleitet. Danach ist der Bundestag gefordert.

    Jugendrat Remscheid

  • Das Land fördert die Innovationskraft der Medienbranche in NRW

    Das Land fördert die Innovationskraft der Medienbranche in NRW

    Dazu erklärt Alexander Vogt, medienpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion:

    „Nordrhein-Westfalen als das Medienland schlechthin bietet eine Heimat und beste Bedingungen für Medien aller Art. Wir fördern und beheimaten führende ,klassische` Medienanbieter, wie Zeitungen, Verlage, Rundfunk- und Fernsehanbieter und wir haben nach wie vor einer hervorragende Filmförderung. Aber wir sind auch bereits Zukunftsland Nummer 1 für Games und Webvideos, wie beispielsweise die gamescom jedes Jahr belegt und auch die Anzahl an Publishern, die hier ihren Sitz haben.

    Unser großes Engagement in diesem Bereich werden wir kontinuierlich noch weiter ausbauen. Daher haben die Regierungsfraktionen beschlossen 100.000 Euro zur Verfügung zu stellen, damit einer oder mehrere Webvideo-Spaces in Nordrhein-Westfalen eingerichtet werden können. Das Potential der entsprechenden Branche lebt nämlich entscheidend davon, dass sich aufstrebende Webvideokünstler mit professioneller Unterstützung und Ausrüstung vor Ort weiterentwickeln können.

    Weitere 600.000 Euro stellen wir darüber hinaus dauerhaft zur Verfügung, um innovative Games- und 360 Grad-Projekte zu fördern. Die damit zusammenhängenden Firmen haben sich in den letzten Jahren positiv entwickelt und die Innovationskraft der gesamten Medienwirtschaft in NRW befördert. Dies wollen wir unterstützen, um den Effekt noch zu verstärken und in diesem Zukunftssegment nachhaltiges Wachstum zu sichern.“

     

  • „SPD kauft 20 Router. Damit weitere Freifunk Wolken aufsteigen“

    „SPD kauft 20 Router. Damit weitere Freifunk Wolken aufsteigen“

    „Wir waren sofort begeistert von dem Engagement der jungen Freifunker“ so Sven Wolf. „Als erstes werden wir 20 Router kaufen, die uns der Freifunkverein mit der eigenen Software versorgt. Die Router bieten wir unseren Mitgliedern an, so dass mindestens an zwanzig weiteren Orten in Remscheid die ersten kleinen Freifunkwolken aufsteigen. Auch die Geschäftsstellen der SPD wird ins Freifunknetz einsteigen. Das gelingt sogar aus der vierten Etage. Dann wird im Umfeld um unser Büro an der Elberfelder Straße kostenloses Surfen im WLAN möglich.“

    „Ich gebe zu, dass ich aus meiner beruflichen Erfahrung im IT-Bereich doch anfänglich etwas skeptisch war“ wirft Thomas Kase sein. „Die beiden IT-Experten haben mich aber überzeugt. Zumindest solange es so engagierte Mitglieder in dem Verein gibt, wird das Projekt laufen. Daher werden wir nun in unsere Ratsfraktion das Thema weiter aktiv begleiten.“

    Die Freifunker berichteten der SPD-Ratsfraktion über ihre bisherigen Projekte etwa in Leverkusen-Opladen, Hückeswagen oder Radevormwald. Besonders erfreut waren die SPD-Mitglieder, dass auch erste Gespräche mit der Interessen- und Standortgemeinschaft (ISG) Alleestraße geführt wurden und die Freifunker der ISG nun konkrete Angebot machen wollen, um auch die Remscheider Fußgängerzone mit offenem WLAN zu versorgen. „Wenn wir dabei helfen können, steht die SPD-Ratsfraktion gerne bereit“ ist sich Sven Wolf sicher.

    In der Remscheider Innenstadt gibt es rund 24 Freifunkzellen oder Freifunk-Wolken. Die Freifunker sind in einem eingetragenen Verein organisiert. Der Verein für das Bergische Land (Verbund freier Netzwerke Nordrhein-Westfalen e.V.) hat rund 250 Mitglieder und einen siebenköpfigen Vorstand. Der Verein will selbst keinen Gewinn erwirtschaften, sondern finanziert sich über die Mitgliedsbeiträge oder Spenden. Der Verein hilft bei der Einrichtung von offenem WLAN und stellt Software für die Einrichtung der eigenen Router bereit. Diese Router werden selbst für Preise um die 15 Euro im Fachhandel gekauft. Wer sich beteiligt, darf in seinem Geschäft oder Büro mit dem Aufkleber Freifunk werben. Der Verein selbst hat den Status eines Providers und tunnelt die Nutzerinnen und Nutzer direkt über einen eigenen Server ins Internet. Das ganze vollkommen getrennt vom eigenen Router des Geschäfts oder Büros. Gefahren, dass die Nutzerinnen und Nutzer des offenen WLANs auf dem internen Router landen, bestehen also nicht.

    100xWLAN für NRW

    Passend dazu hat sich auch die NRW-Landesregierung mit ihrem Projekt 100xWLAN in NRW dazu entschieden, zunächst auf 100 Landesbehörden offenes WLAN durch die Freifunker einrichten zu lassen. Den Anfang macht dabei die Staatskanzlei in Düsseldorf. Dies soll zeigen, dass inzwischen auch die letzten rechtlichen Bedenken überwunden werden konnten.

    Minister Franz-Josef Lersch Mense Foto: Land NRW / M. Hermenau
    Minister Franz-Josef Lersch Mense,
    Foto: Land NRW / M. Hermenau

    Medienminister Franz-Josef Lersch-Mense: „Die Landesregierung hat 148 Gebäude identifiziert, die für dieses Projekt grundsätzlich infrage kommen. Jetzt sind die Freifunk-Vereine im ganzen Land dazu aufgerufen, sich zu melden und gemeinsam mit der Landesregierung eine Auswahl zu treffen, an welchen dieser Gebäude sie freies WLAN anbieten können. Damit wollen wir den großartigen ehrenamtlichen Einsatz der Freifunker in Nordrhein-Westfalen weiter unterstützen.“ Weiter Informationen finden sich hier.

     

  • Eine gute Woche für offenes WLAN: Störerhaftung und Filesharing

    Eine gute Woche für offenes WLAN: Störerhaftung und Filesharing

    „Es wurde aber auch Zeit diese rechtliche Unsicherheit zur Störerhaftung auf Bundesebene zu beenden. Der Bundesgerichtshof ist in den letzten Jahren seiner Linie treu geblieben und hat zum Filesharing klar gestellt: wer sein WLAN für Gäste öffnet, haftet nicht für das, was dort hochgeladen wird“ so Sven Wolf zur aktuellen Rechtsdebatte. „Es ist gut, dass sich die SPD auf der Bundesebene mit der Forderung durchgesetzt hat, die sogenannte Störerhaftung abzuschaffen.“ ergänzt Alexander Vogt, medienpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion.

    Vogt-Presse
    Alexander Vogt MdL, medienpolitischer Sprecher SPD-Landtagsfraktion NRW

    „Damit wird der Weg für die zukünftige Entwicklung von offenen WLAN-Netzen frei. Insbesondere der Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte sich gegen eine vernünftige Regelung gewehrt, die in vielen anderen europäischen Ländern üblich ist. In NRW setzt sich die SPD-geführte Landesregierung seit mehreren Jahren für die Förderung von freien WLAN-Netzen ein. Der Landtag hat dazu verschiedene eindeutige Beschlüsse gefasst. Durch die Entscheidung auf Bundesebene wird unseren Forderungen endlich nachgekommen.

    Freie und offene Internetzugänge sind für uns Voraussetzung einer modernen Infrastruktur. Darum fördern wir Projekte in den Kommunen auch finanziell. Mit der heutigen Einigung können nun mehr offene WLAN-Zugänge von privaten und nebengewerblichen Anbietern geschaffen werden. Es wird Rechtssicherheit geschaffen, von denen auch Café- und Restaurantbetreiber mit offenen Netzen profitieren.“

    Beim Thema Filesharing ist es inzwischen auch klar, dass nicht anlasslos eine Haftung besteht. Der BGH hat das mit Urteil vom 12. Mai nunmehr deutlich gemacht. Er führt hierzu aus: „Den Inhaber eines Internetanschlusses, der volljährigen Mitgliedern seiner Wohngemeinschaft, seinen volljährigen Besuchern oder Gästen einen Zugang zu seinem Internetanschluss ermöglicht, trifft keine anlasslose Belehrungs- und Überwachungspflicht.“ Damit bleibt der BGH seiner Linie treu und hat die Haftung für die Internetnutzung durch Dritte nochmal eingeschränkt. Die vollständige Pressemitteilung des BGH findet sich hier.

     

  • „Vermeintlich sicherer Hafen als Farce entlarvt“

    „Vermeintlich sicherer Hafen als Farce entlarvt“

    Schrems hatte in Irland Beschwerde gegen die dort ansässige Tochtergesellschaft von Facebook eingereicht. Nach der NSA-Affäre sah er den Schutz seiner Daten nicht mehr als gewährleistet an. Heute erklärte der EuGH das Safe-Harbor-Abkommen für grundrechtswidrig. Dieses Abkommen der EU-Kommission mit den USA verstößt gegen europäische Grundrechte.

    Birgit SippelBirgit Sippel, innenpolitische Sprecherin der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament, erklärte hierzu: „Das Urteil ist ein Meilenstein für den Schutz europäischer Grundrechte. Seit Jahren haben wir Sozialdemokraten massive Bedenken an der Grundrechtskonformität von Safe Harbor geäußert, denn der Beschluss erlaubt Firmen die Weitergabe personenbezogener Daten von EU-Bürgern in die USA ohne ausreichende Grundrechtsgarantien zu bieten. Die NSA-Enthüllungen haben den vermeintlich sicheren Hafen endgültig als Farce entlarvt.“

    Rechtsgrundlage für die Daten-Weitergabe war bisher das sogenannte Safe-Harbor-Regime aus dem Jahr 2000. Der Beschluss erlaubte den Transfer an Firmen wie Google, Facebook und Co., wenn diese eine Selbstverpflichtung zum Datenschutz eingehen. Birgit Sippel bemängelt, dass dieses Abkommen ein völlig unzureichendes Schutzsystem biete. Den irischen Behörden war nach dem Abkommen bisher untersagt, die Beschwerde von Herrn Schrems überhaupt zu untersuchen.

    „Durch die mangelhaft definierten Ausnahmen zum Schutz der nationalen Sicherheit stand Safe Harbor von Anfang an auf tönernen Füßen. Die EU-Richter haben dem nur dem Namen nach sicheren Hafen nun endgültig die Legimitation abgesprochen“, so Birgit Sippel. Der EuGH bemängelt in seinem Urteil, dass die derzeitigen Regeln generell die Speicherung aller personenbezogenen Daten sämtlicher Personen, deren Daten aus der EU in die USA übermittelt werden, gestattet, ohne irgendeine Differenzierung, Einschränkung oder Ausnahme anhand des verfolgten Ziels vorzunehmen und ohne objektive Kriterien vorzusehen, die es ermöglichen, den Zugang der Behörden zu den Daten und deren spätere Nutzung zu beschränken.

    Birgit Sippel fordert nun Konsequenzen für die laufende EU-Datenschutzreform: „Wir müssen die Regeln für den Datentransfer in Drittstaaten noch mal grundlegend unter die Lupe nehmen. Wirtschaftliche Interessen dürfen wie beim aktuellen Safe-Harbor-Regime kein Einfallstor für millionenfachen Grundrechtsbruch sein.“ Zudem fordertBirgit Sippel eine Stärkung der nationalen Aufsichtsbehörden: ¡Die Aufsichtsbehörden sind das Rückgrat des EU-Datenschutzes. Wir müssen ihnen deshalb auch die Werkzeuge geben, einen hohen Schutz der Grundrechte in der EU effektiv durchzusetzen.“

    Foto: Gerichtshof der Europäischen Union

  • Mehr Menschen eine Internetnutzung über offene Zugänge ermöglichen

    Keinen Internet-Zugang zu besitzen, führt gerade bei den Bildungs- und Berufschancen zu Nachteilen und vergrößert die Unterschiede zwischen denen, die sich Internet leisten können und denen, die dies nicht schaffen. WLAN-Zugänge stehen heute quasi flächendeckend in Deutschland zur Verfügung – die meisten in privater Hand. Viele der Betreiberinnen und Betreiber haben Zugänge mit einer Flatrate und könnten ohne Mehrkosten anderen darüber Zugang zum Internet verschaffen, auch ohne die Integrität oder Sicherheit ihrer eigenen Daten zu gefährden.

    Technisch gesehen stellt das kein Problem dar, die Rechtslage ist aber schwierig. Bisher werden an private Betreiber höhere Anforderungen gestellt als an Provider. Wer seinen Internetzugang teilt, steht in der Verantwortung, für etwaige Rechtsverstöße seiner Mitbenutzer zu haften. Provider dagegen haften für solche Verstöße erst ab dem Moment, in dem sie Kenntnis darüber erhalten.

    Aus Gründen der Gerechtigkeit sollten hier die gleichen Anforderungen gelten. Die Fraktionen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Piraten haben gemeinsam einen Antrag verabschiedet. Darin wird die Landesregierung aufgefordert, sich weiter auf Bundesebene für eine rechtssichere Regelung einzusetzen – durch eine Ausweitung der Haftungspriveligierung gemäß Telemediengesetz (§ 8).

    „Wir wollen erreichen, dass mehr offener Zugänge zum Internet zur Verfügung gestellt werden. Es gibt bereits positive Beispiele und private Initiativen, die man unterstützen sollte,“ so Sven Wolf.

    Zum Antrag: Offene Zugänge zum Internet schaffen

  • Spannende Sessions und Drama zum Schluss Politcamp 12 in Berlin

    Spannende Sessions und Drama zum Schluss Politcamp 12 in Berlin

    Nach dem leider krankheitsbedingten Ausfall meines Mitarbeiters Frederic Ranft springt kurzfristig Katharina Keil, Jurastudentin der Jusos aus Remscheid, ein und begleitet mich zum Politcamp12 in Berlin. Wir sind beide gespannt, was uns in den verschiedenen Sessions rund ums Thema Netzpolitik erwartet.

    Kampf der Verlage

    Radialsystem in Berlin
    Radialsystem in Berlin
    Meine erste Session verspricht zwar aufgrund der Teilnehmer nicht viele neue Positionen, gab aber dennoch einen guten Überblick über die aktuelle Debatte zum Leistungsschutzrecht (LSR). Dietrich von Klaeden, Leiter für Regierungsbeziehungen der Axel Springer AG, kämpft aus Sicht der Verlage einen harten Kampf für eine schnellere Durchsetzung der Verlagsrechte. Ein Kampf der erst nötig wurde, nachdem immer mehr frei Mitarbeiter den Nachweis der Rechteketten für Verlage immer schwieriger machen. In der Regel übertragen freie Mitarbeiter nämlich nicht die Verwertungsrechte an die Verlage. In der Debatte versucht von Klaeden wiederholt die SPD-Position mit Aussagen wie – wir sind uns da fast einig – einzubauen. Bis Hansjörg Schmidt, MdHB und netzpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft, eingreift und klar macht, die SPD lehnt das LSR weiter ab. Beispielhaft verweise ich auf die Stellungnahme des rechtspolitischen Sprecher Burkhard Lischka MdB. Schmidt befürchtet, das LSR soll Versäumnisse der Verlage bei der Umsetzung eigener Rechte reparieren.

    Turbowahlkampf in NRW oder ißt die SPD wirklich so gerne Currywurst?

    Grüne und SPD Wahlkampfer beschreiben und diskutieren die besonderen Herausforderungen eines 60-Tage-Wahlkampfs. Kaum Verwunderung gibt es zum einmütigen Start mit dem Ziel Rot-Grün in NRW fortzusetzen. Danach werden aber unterschiedliche Strategien deutlich. Die Grüne Sorge zwischen den Spitzenkandidaten zerrieben zu werden, wird mit einer provokativen und ironischen Kampagne begegnet. Das selbst und dennoch professionell produzierte Wahlvideo der Grünen erinnert an die EINSLIVE Comedyreihe mit Jimmy Breuer und baut auf Aufmerksamkeit durch Lostjokes. Die SPD setzt sowohl auf Lebenswelten und Wiedererkennung als auch auf Fehlervermeidung. Besonderes Highlight im Onlinewahlkampf ist die Wahl eines zusätzlichen Themenplakates auf Facebook. Der Erfinder des Gewinner-Plakats beschreibt den Currywurst-Entwurf als Antibesserwisserplakat, das es auf viele Piraten, Grüne und Satireseiten geschafft hat. Darüberhinaus schmeckt Currywurst scheinbar auch in Berlin und anderswo und verschafft dem Plakat zu einer bundesweiten Aufmerksamkeit. Spätestens als Remixe wie „Fikandel special ist SPD“ u.ä. auftauchen sind auch die letzten innerparteilichen Widerstände überwunden. Blieb am Ende die Frage, ob die QR-Codes künftig mehr Resonanz erzeugen können und ein erfolgreiches Bindeglied zwischen Off- und Online Kampagne werden können.

    Vizekanzler zur Kontrolle?


    Ach und dann war da noch die Session mit Bundesjustizministerin Leutheuser-Schnarrenberger die von Urheberrecht über Vorratsdatenspeicherung und LSR auch viele im Netz umstrittene Themen ansprach. Sie machte dabei kein Geheimnis aus ihrer liberalen Grundeinstellung im Spannungsfeld zum Koalitionsvertrag.  Themen wie das Leistungsschutzrecht müssen nach Einschätzung der Ministerin, aber noch ausgiebig im Bundestag diskutiert werden. Wohlfeile Worte, die sie auch schon vor dem Kurzauftritt ihres Chefs, FDP-Chef Philip Rösler, zu setzen weiß. Eine politische Bewertung verkneife ich mir, aber von einer Ministerin, die für Bürgerrechte kämpfen will, erwarte ich mehr.

    Dramatischer Abgang

    Kurz vor der Schlussrunde liefern die Kollegen der Piraten mit dem theatralischen Abgang ihres Fraktionsvorsitzenden im Berliner Abgeordnetenhaus Christoph Lauer MdA, noch eine bundesweite Schlagzeile.

    Video: Schmidtlepps Abgang

    Wir bleiben bis zur Schlussrunde, die voll des Lobes und der konstruktiven Kritik (Live-Streaming ist nicht so teuer, bessere Werbung im Vorfeld) das Politcamp beschliesst. Mir bleiben zahlreiche neue und aufgefrischte Kontakte, gute und überparteiliche Gespräche und die feste Absicht, beim PC13 bin ich wieder dabei.

  • „Mein Tag auf der Gamescom“ oder „Doch keine Nerds?“

    „Mein Tag auf der Gamescom“ oder „Doch keine Nerds?“

    Wann habe ich selbst das letzte Mal ein Computerspiel gespielt? Gibt es die Spiele meiner Jugend noch?

    Daneben haben die Computerspiele auch eine politische Dimension. Die öffentliche Debatte über die sogenannten Ego-Shooter ist mir noch im Ohr. Besonders die Forderung des ehemaligen bayerischen Innenministers Günther Beckstein nach einem absoluten Verbot kam mir damals 2002 schon schablonenhaft und populistisch vor.

    Zelda Gamescom 2012

    Aufgefallen ist mir, dass in den zahlreichen Spielebesprechungen nur bei der Beschreibung der aktuellen „Counter Strike“ Version ein Einschub mit Hintergrundinfos zur damaligen Debatte zu finden war. Auf der Zugfahrt nach Köln begegneten mir schon viele Jugendliche, die dank ihrer Gamescom-Shirts oder Verkleidung klar erkennbar auch auf dem Weg zur Spielemesse waren. Nicht nur ein Treffen von Fans, sondern auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor mit riesigen Umsätzen und zahlreichen Arbeitsplätzen. Anders ließe sich eine Messe mit bis zu 250.000 Besuchern und acht vollen Messehallen auch kaum erklären. Dabei sitzen die Produzenten der Software nicht nur in den USA oder Asien, sondern auch häufig in Deutschland oder in NRW.

    Simulatoren die heimlichen Helden?

    Ein starkes Beispiel ist hier ein „kleiner“ Produzent von Simulatoren: die Firma Astragon mit Sitz in Mönchengladbach. Der Landwirtschaftssimulator (übrigens ohne Altersbeschränkung) ist einer der Hits und verkaufte sich bereits über 1 Millionen Mal.

    Selbstversuch am Landwirtschaftssimulator

    Im Jahr 2010 erzielte das Unternehmen nach einem aktuellen Bericht der Rheinischen Post einen Umsatz von 8,5 Millionen Euro. Damit dies noch mehr wird, warben die Promoter lautstark auf der Messe und warfen große Menge der „Gold Edition“ ihrer Software in die grölende Zuschauermenge. Ein wenig Karneval ist halt immer in Köln. Kein leichtes Unterfangen, flimmerten doch auf den Bildschirmen der anderen Stände die lautesten und buntesten Versionen phantasievoller Aktionspiele. Bei meinem Selbstversuch am Simulator kam erst langsam Spielfreude auf, nachdem ich die Steuerung verstanden hatte und tatsächlich das erste geerntete Getreide im Anhänger gelandet war.

    Ein weiterer Nischenanbieter für gelungene Simulationen ist Aerosoft. Er präsentierte eine hochauflösende Demoversion seines Bussimulators für München. Von der Innensicht kaum ein Unterschied zum Bus, den ich noch am Morgen selbst benutzt hatte. Mit rund 20.000 Exemplaren erreicht Aerosoft überwiegend ein reiferes Publikum jenseits der 50 Jahre oder Fans des Busfahrens, die selbst im realen Leben hinterm Steuer an der Druckluftbremse sitzen.

    Das Geschäft hinter dem Geschäft

    Neben dem Verkauf der reinen Software umfasst der Unterhaltungsmarkt natürlich deutlich mehr, wie im Hintergrundgespräch mit einem Merchandisingproduzenten klar wird. Ob ein Spiel das Potential für ein weiteres Zusatzgeschäft hat, muss vorab genau analysiert werden, bevor der Kauf einer Lizenz und die aufwendige Produktion in Asien anlaufen kann. Allein die Komplexität einer Geschichte, die sich hinter einem Spiel verbergen kann, ist nicht immer Garant für den Erfolg, wie das spielerisch recht simple „Angry Birds“ mit Millionen Umsätzen an T-Shirts und sonstigen Waren zeigt.

    Die umfangreiche Story der „Assassin’s Creed“ hatte meine Praktikantin und mich aber bereits nach wenigen Worten in den Bann gezogen. Eine komplexe Geschichte, die in verschiedene historische Epochen springt und in der aktuellen 3. Version Passagen des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges nachspielt, fesselt eben doch. Wenn das nicht genug wäre. Spätestens beim übergroßen Poster des Spiels meiner Jugend „Simcity“ war es aber auch um mich geschehen. Kein Vergleich der Grafik zu den Frühversionen der 1990er Jahre. Ich hätte nicht übel Lust mal wieder ein Wochenende vorm PC zu verbringen. Ähnlich erging es Felicie, die es sich nicht nehmen ließ die neueste Version von „Need for Speed“ zu testen.

    Simcity

     

    Leider etwas vom großen Trouble abgelegen fanden wir in Halle 10 dann die Bereiche, die die theoretischen Aspekte der Spiele und Medien behandeln. Hier findet sich zum einen die berufliche Seite, mit Angeboten von Universitäten Spieldesign oder Gestaltung zu studieren, oder die historische Seite, mit alten Schätzen wie den ersten Atari und C64 Computern. Zum anderen aber auch die gesundheitliche Seite. Das Krankmachende. Die Sucht. In einem Modellprojekt geht die Drogenhilfe Köln gGmbH auf die speziellen Probleme von websüchtigen Jugendlichen ein. Die häufigsten Erstkontakte entstehen über Eltern, Pädagogen, selten aber auch durch die Betroffene selbst. Ein Großteil findet wieder heraus aus der Selbstisolation des Internets. Ein Teil aber nur mit professioneller Hilfe, wobei die Veranlagung zur Sucht manchmal auch nur durch andere Begeisterungen, wie beispielsweise Sport, ersetzt werden kann.

    Gamescom C64

    Hier verkneife ich mir nicht die Frage nach dem gesellschaftlichen Ausmaß  der Ego-Shooter. Aber die Sorge um die Folgen der öffentliche Debatte der vergangenen Jahre sitzt noch tief. Einfache Erklärungen gebe es nicht und bei Tätern kämen viele Ursachen zusammen. In der Rückschau seien Zuordnungen einfacher, da fände man beispielsweise auf dem Weg einer Drogenkarriere eben auch Alkohol, Rauchen und Kiffen, ähnlich sei es bei Gewalttätern. Ein gewerblicher Aussteller wird deutlicher: „Politiker suchen doch manchmal nach einfachen Erklärungen und Antworten für ihre Wähler. Verständlich, aber oft zu simpel.“

    Mein Fazit

    Mein erster Besuch auf der Gamescom war sicher nicht mein letzter und wer dort hinfährt um die klassischen Nerds zu sehen, wird enttäuscht. Computerspielen ist längst eine Kulturtechnik – unabhängig von Alter oder gar Bildungsgrad.

  • Eine 16.000€ teure Facebook Pinnwand

    Eine 16.000€ teure Facebook Pinnwand

    RS1.tv Videobericht zur Veranstaltung

    Zum Video

    Fotos vom Forum „Urheberrecht im Internet“

    In der Presse

    Zum Bericht auf RGA-Online

    Die Referenten

    Henning Tillmann
    Henning Tillmann
    Henning Tillmann, Webseite, Twitter
    Henning Tillmann ist Mitglied im „Gesprächskreis Netzpolitik und digitale Gesellschaft“ beim SPD-Parteivorstand. Geboren im westfälischem Kamen, arbeitet er heute als selbstständiger Informatiker in Berlin. Außerdem ist er Associate der überparteilichen Stiftung Neue Verantwortung, wo er in der Projektgruppe „The Business Web“ arbeitet.


    Rechtsanwalt Christian Solmecke
    Rechtsanwalt Christian Solmecke
    Christian Solmecke, Webseite, Twitter
    Rechtsanwalt Christian Solmecke (38) ist Partner der Kölner Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE tätig, welche sich auf die Beratung der Fernseh-, Film- und Entertainmentbranche spezialisiert hat. Insgesamt arbeiten in der Kanzlei jetzt sechzehn Anwälte. Christian Solmecke hat in den vergangenen Jahren den Bereich Internetrecht stetig ausgebaut. Er vertritt unter anderem zahlreiche Web 2.0 Plattformen. Neben seiner Kanzleitätigkeit ist Christian Solmecke auch Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Kommunikation und Recht im Internet (DIKRI) an der Cologne Business School (http://www.dikri.de). Dort beschäftigt er sich insbesondere mit den Rechtsfragen in Sozialen Netzen. Vor seiner Tätigkeit als Anwalt arbeitete Solmecke mehrere Jahre als Journalist für den Westdeutschen Rundfunk und andere Medien.

  • Kraft für NRW!

    Kraft für NRW!

    Die Frage

    Die Antworten

    Infratest-Dimap und sonstige Umfragen

    In einer gestern veröffentlichten „Blitzumfrage“ von Infratest-Dimap sprechen sich 57% der Befragten aus NRW für Hannelore Kraft als Ministerpräsidentin aus. Die SPD kommt in der Umfrage auf 38% und wäre damit stärkste Kraft im Land! Die Umfrage wurde für den gestrigen ARD-Brennpunkt gemacht, den man sich in der ARD-Mediathek noch einmal anschauen kann.