Schlagwort: Geschichte

  • „Häuser der Ewigkeit“ pflegen – verwaiste jüdische Friedhöfe erhalten

    „Häuser der Ewigkeit“ pflegen – verwaiste jüdische Friedhöfe erhalten

    Foto: Thomas Wunsch

    Dazu habe ich im Plenum gesagt:

    Gemeinsame Pressemitteilung der Fraktionen von CDU, SPD, GRÜNEN und FDP vom 30.03.2023:

    Dazu erklären Daniel Hagemeier, Sprecher der CDU-Fraktion im Hauptausschuss, Sven Wolf, Sprecher der SPD-Fraktion im Hauptausschuss, die Vorsitzende der Grünen Landtagsfraktion Verena Schäffer sowie Dirk Wedel, Sprecher im Hauptausschuss in der FDP-Landtagsfraktion NRW:

    „Jüdische Friedhöfe sind ein unschätzbares Zeugnis der über 1700 Jahre alten Geschichte der Jüdinnen und Juden in Deutschland. Sie zeigen wie und wo Jüdinnen und Juden in Deutschland über die Jahrhunderte gelebt haben, welche Stellung sie in der Gesellschaft hatten, wo und wann sie akzeptiert oder verdrängt und verfolgt waren.

    Aufgrund des Grundsatzes der Unantastbarkeit der Totenruhe haben jüdische Friedhöfe eine hohe religiöse Bedeutung. Im Hebräischen werden sie daher auch „Haus des Lebens“ oder „Haus der Ewigkeit“ genannt. Jüdinnen und Juden waren in Deutschland immer wieder von Ausgrenzung und Vertreibung bis hin zur Shoah betroffen. Für viele jüdische Friedhöfe bedeutet dies, dass es keine jüdischen Gemeinden mehr gibt, die sie pflegen könnten. Nicht zuletzt aus der menschenverachtenden Vernichtungspolitik des Nationalsozialismus erwächst für uns die besondere Verantwortung, diese wichtigen historischen Quellen angemessen zu pflegen.

    Die Kommunen tragen mit Mitteln des Bundes und der Länder Sorge für die Pflege der verwaisten jüdischen Friedhöfe, die zusammen 785.980 Quadratmeter groß sind. Da die derzeit zur Verfügung stehenden Mittel nicht mehr auskömmlich sind – die Pflegepauschale wurde seit 2010 nicht angepasst –, setzen wir mit dem heutigen Beschluss das Signal, dass Bund und Land gemeinsam die Mittel mit dem Haushalt für das Jahr 2024 erhöhen sollten. Die Landesregierung hat den Auftrag, sich in den Verhandlungen mit dem Bund für eine Erhöhung der anteiligen Kostenübernahme einzusetzen. Der Landtag von Nordrhein-Westfalen steht zu seiner historischen Verantwortung.“

    Antrag „Geschichte für die Zukunft erhalten – Verantwortung für die Pflege verwaister jüdischer Friedhöfe in Nordrhein-Westfalen weiterhin nachkommen“

  • Ist die Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen „Geschichte“?

    Ist die Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen „Geschichte“?

    Foto: Matthias Vogt

    Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete die britische Besatzung das Land Nordrhein-Westfalen; das bevölkerungsreichste Land in Deutschland. Unser Land erlebte in den vergangenen 75 Jahren eine Geschichte voller Umschwünge und macht Eins besonders deutlich: Viele Themen aus der Vergangenheit sind auch heute noch aktuell.

    Mit diesem Thema befasst sich auch die kostenlose Jubiläumsausstellung im Haus der Geschichte in Düsseldorf, welches noch bis zum 23.05.2022 besuchbar ist.

    Das Resultat des Zweiten Weltkriegs war vor allem Leid, Trümmer und Zerstörung. Als Deutschland den Krieg verlor, teilten die vier Siegermächte es in vier Besatzungszonen auf. Dabei gründet die britische Besatzungszone das Land Nordrhein-Westfalen. Das Ziel ist eine Demokratie, in der die Menschen selbst entscheiden.

    Nur 15 Monate nach dem Krieg, werden Westfalen, der nördliche Teil der Rheinprovinz zusammengelegt und schließlich kommt auch Lippe-Detmold hinzu.

    Während des Kalten Krieges zwischen den U.S.A. und der Sowjetunion, wurde im Eifeldorf Urft ein geheimer „Ausweichsitz der Landesregierung“ gebaut. Der Ausweichsitz war ein Notregierungssitz, der bei einer Eskalation des Kalten Krieges als Zufluchtsort durch die Landesregierung und Fachleuten aufgesucht werden sollte, und von wo aus das Land weiter regiert werden sollte. Bei dem versteckten Bunker handelt es sich um eine dreistöckige und zehn Millionen DM teure Bunkeranlage mit einer Wandstärke von bis zu drei Metern. Die Anlage wurde 1994 schließlich stellgelegt.

    Die Kriege und die daraus folgenden Konsequenzen sind, wie wir heute abermals sehen können, leider keine Akte der Geschichte, die abgeschlossen in der Vergangenheit liegen. Auch aktuell steht der Krieg vor unserer Haustür, nämlich der aggressive Angriffskrieg von Russland gegen die Ukraine. Trotz der Sanktionen und Antworten diverser Staaten auf die verbrecherischen Handlungen Russlands, versetzte der russische Präsident die Atomstreitkräfte seines Landes in Alarmbereitschaft und drohte jedem, der sich einmischt, mit Vergeltung in einem Ausmaß, das sie noch nie gesehen hätten.

    Ein weiterer Wegweiser für die Entwicklung des Landes NRW war seine Integrationspolitik. Jeder Dritte in NRW hat einen Migrationshintergrund. Sie kamen seit der Gründung des Landes NRW aus verschiedensten Gründen. Teilweise flüchteten die Menschen aus Kriegsgebieten und teilweise, um ihren Lebensstandard zu verbessern. Unser Land stellte schon seit seiner Gründung einen Zufluchtsort für diejenigen dar, die in Sicherheit leben möchten.

    Gegenwärtig flüchten etwa wegen des Krieges in der Ukraine ebenfalls sehr viele Bürgerinnen und Bürger in benachbarte Länder. Seit Beginn der Angriffe sind über 520.000 Menschen aus der Ukraine geflohen. Viele von ihnen werden wohl auch nach NRW und damit zu uns in die Region kommen. Wie bereits öfter in der Vergangenheit, müssen wir diesen Menschen helfen, wo wir helfen können. Und wie bereits öfter in der Vergangenheit müssen wir auch jetzt unseren Beitrag dazu leisten, dass aus den Flüchtlingen Mitbürgerinnen und Mitbürger werden.

    https://unser-land.nrw/ausstellung

    Beitrag: Tarik Kaynak
  • Sven Wolf und Jusos aus Radevormwald und Hückeswagen erleben bergische Industriegeschichte hautnah im Drei-Städte-Depot

    Sven Wolf und Jusos aus Radevormwald und Hückeswagen erleben bergische Industriegeschichte hautnah im Drei-Städte-Depot

    Neben einer Präsentation der zirka 300 Exponate umfassenden Ausstellung aus verschiedenen Epochen der Industriegeschichte, stand vor allem der Austausch über die geplante Junior-Akademie, die mit in das Projektprogramm der Regionale 2025 „Bergisches RheinLand“ aufgenommen wurde, im Mittelpunkt des Besuchs.

    „Ziel der Junior-Akademie ist es, Industrie durch Anfassen erlebbar zu machen. Angelehnt an die Wuppertaler Junior-Uni wollen wir den Kindern und Jugendlichen verschiedene Experimentier- und Labormöglichkeiten auf dem neusten Stand der Technik bieten. Die Junior-Akademie ist dabei fest in ein kreatives Umfeld mit technischen, historischen Maschinen integriert und soll ein Ort des Entdeckens, des Erlebens und der Kommunikation zwischen Jung und Alt sein“, sagte Karl-Heinz Vossenbrecher, Vorsitzender des Drei-Städte-Depots.

    „Unsere Region gehört zur Wiege der Industrialisierung in Deutschland. Dieses Erbe wollen wir natürlich bewahren und gleichzeitig möchten wir mit Blick auf die Zukunft durch außerschulische Bildungsangebote auch weiterhin unseren Nachwuchs für Industrie und Technik begeistern. Besonders wichtig ist uns dabei, dass wir möglichst viele Akteure einbinden: Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Vereine. Dieses große Projekt lässt sich nur gemeinsam stemmen“, ergänzte der stellvertretende Vorsitzende Artur Krzyzanowski.

    „Wir Bergische sind ja alle ein bisschen Tüftlerinnen und Tüftler. Ich freue mich, dass die Junior-Akademie diesen Teil unserer Bergischen DNA den jungen Menschen in der Region nahebringen will. Vielleicht entdecken ja einige durch den Besuch des Drei-Städte-Depots ihre bisher verborgene Leidenschaft zum Tüfteln und ergreifen später einen Beruf in der Industrie oder im Handwerk“, sagte Sven Wolf.

    Bei der anwesenden Jusos stieß der Ansatz des Drei-Städte-Depots jedenfalls auf reges Interesse. „Dass man in der Ausstellung die historische Entwicklung der einzelnen Maschinen quasi zum Anfassen nachverfolgen kann, hat mir wirklich gut gefallen. Ich hatte ehrlich gesagt, außer vielleicht im Geschichtsunterricht, wenig Berührung mit der Industrie im Bergischen. Da war es natürlich spannend, die Maschinen hier in Aktion zu sehen.“, sagte das Radevormwalder Juso-Mitglied Rosanna Düring.

     

     

  • Besuch im Centrum Schwule Geschichte (CSG) in Köln

    Besuch im Centrum Schwule Geschichte (CSG) in Köln

    Auch heute noch dauert der Kampf um Normalität und Anerkennung an und wir müssen jeden Tag die Errungenschaften der Gleichberechtigung von LSBTTI gegen Rückschritte und Anfeindungen verteidigen.“

    Nach einer Tour unter der fachkundigen Führung von Willi Kutsch durch die Räumlichkeiten des CSG, die sich seit 1997 im Kölner Stadtteil Kalk befinden, gab es einen Einblick in die verschiedenen Arbeitsbereiche und die Entstehungsgeschichte des CSG.

    Das Centrum ist ein eingetragener Verein und wurde 1984 durch die Zusammenführung der beiden Initiativen „Rheinisches Schwulenarchiv“ und „Arbeitskreis schwule Geschichte“ gegründet. Das CSG hat es sich zur Aufgabe gemacht, das umfangreiche Quellenmaterial zur Geschichte der Homosexualität, wie z. B. Zeitschriften, Zeitungsartikel und Plakate, sowie Audio- und Video-Dateien, nicht nur zu sammeln und zu archivieren, sondern auch die historischen Zusammenhänge aufzuarbeiten und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Dies geschieht unter anderem durch regelmäßige Ausstellungen während des „Come-Together-Cups“ auf den Vorwiesen des RheinEnergieSTADION in Köln und im Rahmen des Cologne-Pride, sowie durch eigene Publikationen, zu denen auch das Magazin „HIStory“ gehört, welches dreimal im Jahr erscheint.

    Dabei geht es nicht nur um die Geschichte der Schwulenbewegung in Köln und im Rheinland, die immer noch den größten Bestandteil der Arbeit ausmacht, sondern auch um einen Blick auf die Geschichte der Homosexualität in Deutschland und in der Welt.

    Finanziert wird das CSG zum größten Teil aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen. Jedoch können die Kosten dadurch nicht immer gedeckt werden, zumal der Bestand des Archivs zusehens wächst. Wie jedes Archiv bedarf es einer fachgerechten Lagerung des Quellenmaterials, um dessen Erhaltung auch in Zukunft zu garantieren. Diesen Ansprüchen genügen die Räumlichkeiten in Köln Kalk leider nicht, weswegen sich der Verein zur Zeit nach möglichen Alternativen umschaut.

  • Vor 100 Jahren. – „Am 1. August war der Krieg da.“

    Vor 100 Jahren. – „Am 1. August war der Krieg da.“

    „Am 01. April war ich von Wermelskirchen nach Remscheid übergesiedelt. Am 1. August war der Krieg da. Was hatten die Sozialisten der europäischen Länder, besonders die deutschen und französischen, zur Verhinderung dieser furchtbaren Katastrophe tun können und getan? Nach den Baseler Beschlüssen waren sie zu gemeinsamen Widerstand verpflichtet gewesen. Nun, geschwiegen haben sie auch nicht. Aber ihre Stimmen versanken in den Revanchegeschrei der französischen und Säbelrassen der deutschen Nationalisten und Kriegstreiber.“

    2. August 1914

    Ernst Zulauf (1878-1960)
    Ernst Zulauf (1878-1960)

    „Am zweiten Tag der Mobilmachung des deutschen Kriegsheeres hatte ich mich beim Landwehrbezirk Kommando in Lennep zu melden. So stand es auf dem roten Zettel in meinem Militärpass. Oh ja – die deutsche Kriegsmaschine funktionierte gut! Mit noch etwa 40 anderen Anwärtern auf den „süss-ehrenvollen Tod fürs Vaterland“ wurde ich dort in einen Güterwagen der Eisenbahn geladen, und einem keinem von uns bekannten Ziel zugeführt. […] Meine Fahrtgenossen waren zum Teil Dienstkameraden aus der aktiven Dienstzeit. Also auch ungefähr Altergenossen. Alle oder fast alle waren Unteroffiziere, auch Vizefeldwebel und Unteroffizier. Aber sonst waren sie sehr verschieden. Einige kannte ich als Genossen von meiner, der sozialdemokratischen Partei. […] Die Fahrt ging von Lennep über Hagen-Siegen immer südwärts. Ich weiß nicht mehr wie lange sie gedauert hat. […] Da ist schon Darmstadt, die Residenz der Hessengroßherzöge. Große Getümmel auf dem Bahnsteig! – Was ist da los? – Wer schreit und wem gilt das Hoch und Hurra? – Einer weiß es schon, er ist ausgestiegen und ruft es in die weit offene Waggontür: „Der Prinz Oskar von Preußen auf dem Bahnsteig!“ – „Soeben einem Attentat glücklich entkommen“ will ein anderer wissen! – „Alles aussteigen!“ – Ach merkt ihr denn nichts? Merkt ihr denn noch nicht Zweckcharakter aller dieser Greulgerüchte? – „Ja, aber das ist doch die Höhe! Diese Flaumacher sollte man billigerweise verprügeln!“ Alle steige aus, so was lässt sich doch kein Deutscher entgehen. – Auch nicht, wenn er Sozialdemokrat war! – Nein, dann erst recht nicht. Er ist jetzt nur noch Deutscher! – Zwei steigen nicht aus. – Ein christlicher Kamerad und Jugendfreund aus dem Hünger. Er ist ein Opfer des Krieges geworden. „Auf dem Felde der Ehre gefallen“ hat man auch ihm nachgerufen. – Er hat es nicht so aufgefasst. Der andere war ich.“

    Nach 1945

    Mein Urgroßvater zog die Konsequenzen aus den Erlebnissen des Krieges und beschrieb seine innere Zerrissenheit über die Entscheidung der SPD. Er trat in die USPD ein und folgte ihr auch als diese in der KPD aufging. Er wurde später aus der KPD ausgeschlossen. Nach dem Krieg unterstütze er meine Heimatstadt Remscheid beim Wiederaufbau und wurde sodann zum Dezernenten für „Wohlfahrts-, Jugend- und Flüchtlingswesen“ berufen. Auf eigenen Wunsch schied er im Alter von 73 Jahren aus diesem Amt aus. Am 24. November 1960 im Alter von 82 Jahren starb mein Urgroßvater in Remscheid.

    Weitere Informationen

    zu Ernst Zulauf finden sich in der Biographischen Datenbank der Bundesstiftung Aufarbeitung