Schlagwort: Widerstand

  • Besuchsgruppe aus Oberberg erlebte besondere Landtagsdebatte

    Besuchsgruppe aus Oberberg erlebte besondere Landtagsdebatte

    „Das war heute eine Sternstunde des Parlaments. Diese Redner waren wirklich spitze“, lobte Hans Egon Häring anerkennend. „Es war nicht das erste Mal, dass ich den Landtag besucht habe, aber dieses Mal hat mich die Debatte am meisten beeindruckt.“

    Mit der SPD-Fraktion aus Gummersbach waren unter der Führung von Thorsten Konzelmann 24 Besucherinnen und Besucher am letzten Freitag zur Plenarsitzung und einem Gespräch mit dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der SPD, Sven Wolf, nach Düsseldorf gekommen.

    „Ich freue mich über das große Interesse an der Landespolitik und insbesondere darüber, dass die Gruppe auf der Tribüne eine gute parlamentarische Debatte erleben konnte“, meinte Sven Wolf.

    Die Fraktionen CDU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen hatten einen gemeinsamen Entschließungsantrag eingereicht zur Würdigung des Widerstandes vom 20. Juli gegen den Nationalsozialismus. Als zu kurz gegriffen und geschichtlich der Sache und ihrer Bedeutung nicht angemessen wiesen die Fraktionen damit einen von der Fraktion der AfD vorgelegten Antrag zurück.

    Die vier Fraktionen positionierten sich in der Debatte in einem breiten demokratischen Grundkonsens. Dabei punkteten besonders die Redner von CDU und SPD mit Ruhe, Sachlichkeit und geschichtlichen Fakten. Die Bewegung des 20. Juli vereine Widerstandskämpferinnen und -kämpfer unterschiedlicher Gruppierungen und Herkunft, führte Prof. Dr. Karsten Rudolph für die SPD-Fraktion aus. Sie wäre nicht zustande gekommen ohne den Widerstand der ersten Stunde mit entscheidendem Einfluss auch von Sozialdemokraten wie Julius Leber. Auch dem lautlosen Widerstand der vielen Einzelnen schuldeten wir heute noch viele Denkmäler. Zur Erinnerung gehöre die Erinnerung an die vielen Opfer, die kaum Chancen hatten, Widerstand zu leisten. Die Widerstandskämpfer seien Menschen gewesen aus Fleisch und Blut mit Zweifeln, Gewissensbissen und Widersprüchen und eben dadurch Vorbilder für eine offene demokratische Gesellschaft, nicht jedoch Ikonen und Helden.

    „Auch diese Debatte hat gezeigt, dass es mehr denn je notwendig ist, die Werte unserer Demokratie zu benennen und zu verteidigen und klare Stellung für eine friedliche solidarische Gesellschaft mit Zivilcourage zu beziehen“, so Sven Wolf. 

    „Daneben traten die anderen wichtigen Themen wie der Altschuldenfonds und die Straßenausbaubeiträge etwas zurück, aber diese werden uns auf jeden Fall in der nächsten Zeit beschäftigen. Wir bleiben weiter dabei: Die Straßenausbaubeiträge für Anwohnerinnen und Anwohner müssen abgeschafft werden. Die von der schwarz-gelben Landesregierung vorgestellten Vorschläge sind eine riesige Enttäuschung für viele Menschen in diesem Land. Sie sind auch ein Schlag ins Gesicht der Kommunalpolitikerinnen und -politiker, die vor Ort für die Abschaffung der Anliegerbeiträge kämpfen.“

  • 9. November – Mahnung und Verpflichtung zugleich

    9. November – Mahnung und Verpflichtung zugleich

    Die SPD-Landtagsfraktion hat in Erinnung an den 09. November 1938 folgende gemeinsame Erklärung veröffentlich:

    „Der 9. November ist kein Tag wie jeder andere. Der 9. November ist unauslöschlich mit der Reichsprogromnacht im Jahre 1938 verbunden. Vor dem Grauen, welches an diesem Tag und der sich anschließenden Nacht im Jahre 1938 seinen ersten entsetzlichen Höhepunkt fand, fällt es schwer gleichzeitig an diesem Tag zugleich der Freude Ausdruck zu geben, die das Ausrufen der Weimarer Republik im Jahre 1918 und der Fall der Mauer im Jahre 1989 ausgelöst haben. Die Ereignisse im Jahre 1938 sowie das Wissen um die Jahre danach bis zum 8. Mai 1945 lassen es zwingend geboten sein, sich diese in Erinnerung zu rufen.

    Die damaligen Ereignisse spielten sich vor den Augen aller Bürgerinnen und Bürger ab, ohne dass nennenswert dagegen aufbegehrt oder gar eingeschritten wurde. Daraus haben wir lernen müssen: Passivität heißt auch Mitverantwortung.

    Und 79 Jahre später, im Jahr 2017, nachdem von den wenigen Überlebenden der Shoah einige Wenige den Mut und die Zuversicht hatten neues jüdisches Leben in Deutschland, in Nordrhein-Westfalen aufzubauen, können wir mit großer Dankbarkeit feststellen, dass wieder jüdisches Leben seinen festen Platz in unserem Land gefunden hat. Zugleich stellen wir aber fest, dass die überwunden geglaubten menschenverachtenden Ideologien wieder zunehmend in unserer Gesellschaft auf fruchtbaren Boden treffen und rechtsextreme Parteien und Organisationen regen Zulauf zu verzeichnen haben.

    Otto Wels, Parteivorsitzender der SPD 1919-1939

    Die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im nordrhein-westfälischen Landtag bekennen sich zur Tradition von Otto Wels und anderen Sozialdemokratinnen und – demokraten, die damals nationalsozialistischer Ideologie die Stirn geboten haben, und wollen auch weiterhin zum Widerstand aufrufen gegen alle, die Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus verbreiten.

    Unser Land ist ein Land in dem Menschen unterschiedlichster Kulturen, Religionszugehörigkeit und Weltanschauung friedlich zusammenleben und darauf sind wir stolz. Deshalb unterstützen wir auch alle Bemühungen offensiv und nachdrücklich gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus vorzugehen. Die zahlreichen Gedenkveranstaltungen im ganzen Land und deren Beteiligung vor Ort sind Beispiel für den lebendigen Widerstand. Auch den Mahn- und Gedenkstätten in NRW gebührt Dank für ihre permanente Erinnerungsarbeit.

    Uns bleibt der 9. November Mahnung und Verpflichtung zugleich für immer.“

  • Wer war Paul Wolf?

    Wer war Paul Wolf?

    Einen von meinem Opa geschriebenen Lebenslauf und Fotos konnte ich dem Archiv zur Verfügung stellen. Mein Großvater war im Widerstand gegen das Naziregime aktiv und hat, wie viele andere Remscheider, am spanischen Bürgerkrieg als Mitglied der Interbrigaden teilgenommen.

    „Ob ich denn auch Daten über einen Paul Wolf hätte? Der war doch der Bruder ihres Opas?“ wurde ich gefragt.

    Den Irrtum Paul Wolf wäre der Bruder meines Opas Christian konnte ich schnell aufklären. Weiteres wusste ich nicht.

    Das ließ mir keine Ruhe und nach einigen Telefonaten war mir klar, dass mir Bernhard Brügmann, ehemaliger Bezirksvertreter der SPD im Süd-Bezirk meiner Heimatstadt, weiterhelfen konnte. Am 21.02. trafen wir uns und er konnte mir tatsächlich viel über seinen ehemaligen Nachbarn Paul Wolf berichten und zahlreiche Dokumente überlassen. Ich habe diese heute gesichtet und der Gedenkstätte Deutscher Widerstand eine Antwort gesendet. Ich hoffe, dass ich hiermit einen kleinen Beitrag liefern konnte, um das Andenken an einen der vielen Widerstandskämpfer aus Remscheid wach zu halten. Die Originaldokumente werde ich nun dem städtischen Archiv übergeben.

    Aus den Aufzeichnungen von Bernd Brügmann ergibt sich: Paul Wolf wurde am 30. März 1907 in Remscheid geboren. Bereits als Schüler ist er beim Kampf gegen den Kapp-Putsch 1920 als Melder beteiligt. 1933 flieht er vor der Verfolgung durch die Nazis aus dem Deutschen Reich zunächst in die Niederlande. Ab 1936 kämpft er in den Internationalen Brigaden und wird zweimal verwundet. Er flieht mit vielen anderen Kämpfen nach der Niederlage nach Frankreich, wird dort interniert und lernt in einem der Lager unter anderem den früheren Remscheider Stadtarzt Friedrich Wolf kennen. Nach der Besetzung Frankreichs flieht er weiter in die Schweiz und kehrt von dort 1950 in die Bundesrepublik zurück und arbeitet als Journalist. In der Schweiz wird er Mitglied der Bewegung „Freies Deutschland“ in der Schweiz. Paul Wolf Bewegung freies Deutschland

    Nach dem Krieg gründet er die Deutsch-Polnische-Gesellschaft für Wirtschaft und Kultur in Düsseldorf. Hierbei trifft er erneut auf Friedrich Wolf, der inzwischen erster Botschafter der DDR in Polen ist. Paul Wolf trägt mit seiner Arbeit zur Aussöhnung bei und legt den Grundstein für die wirtschaftlichen Beziehungen mit Polen. Sein jahrlanges Wirken als Präsident der Deutsch-Polnischen Gesellschaft werden u.a. von Berthold Beitz und durch den polnischen Staat mit dem höchsten Verdienstorden gewürdigt. Während eines Vortrags vor Wirtschaftsvertretern in Düsseldorf stirbt Wolf 1976 an den Folgen eines Herzinfarkts. Er ist auf dem Friedhof in Remscheid-Bliedinghausen unter großer Anteilnahme beigesetzt worden. An der Trauerfeier nimmt auch der polnische Botschafter teil. Im Gespräch ergänzt Bernd Brüggmann noch, dass Paul Wolf selbst Geige spielte und die klassische Musik liebte. Bis zum seinem Tod waren der Kommunist Wolf und der Sozialdemokrat Brügmann als Nachbarn eng befreundet und wohnten mit ihren Familien in einem gemeinsamen Haus.