Schlagwort: Pflegekräfte

  • Pflege braucht erste Hilfe – für Entlastung, Ausbildung, Zeit und Nähe

    Pflege braucht erste Hilfe – für Entlastung, Ausbildung, Zeit und Nähe

    Von Schwarz-Grün gibt es bislang nicht eine nennenswerte Initiative. Der mangelnde Gestaltungsanspruch der Landesregierung zeigt sich in der Pflegepolitik besonders deutlich. Dabei brennt es in der Pflege gerade lichterloh.

    In NRW fehlten zurzeit 24.000 Pflegekräfte. Gleichzeitig steigt die Zahl der Pflegebedürftigen kontinuierlich an. Hatten im Jahr 2019 noch rund 965.000 Menschen in NRW einen Pflegegrad, waren es zwei Jahre später schon fast 1,2 Millionen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Zahl der Ausbildungsverträge in der Pflege in NRW überdurchschnittlich stark zurück gegangen und um neun Prozent gesunken ist. Die Pflege in Nordrhein-Westfalen braucht also dringend erste Hilfe.

    Insbesondere die Tagespflege steht massiv unter Druck. Angesichts des starken Personalmangels und der eklatanten Kostensteigerungen warnt die Freie Wohlfahrtspflege bereits vor einer Welle an Betriebsschließungen. Und auch die rund 260 Pflegeschulen in NRW können ihre Investitionskosten oftmals nicht mehr decken. Für die Investitionsmittel ist die schwarz-grüne Landesregierung zuständig. Aber sie hat auf die Pflegefrage nicht eine einzige Antwort.

    Die SPD-Fraktion im Landtag NRW fordert von Minister Karl-Josef Laumann daher ein Sonderinvestitionsprogramm in Höhe von 10 Millionen Euro, um die Finanzierung der Ausbildung in der Pflege dauerhaft sicherzustellen.

    Der Pflegepolitik in NRW mehr Gewicht zu geben, ist eine Frage des Respekts. Respekt für die Pflegekräfte, die Pflegebedürftigen und auch für die pflegenden Angehörigen. Vor allem die Familie ist nach wie vor der größte Pflegedienst in NRW und Deutschland insgesamt.

    86 Prozent aller Pflegebedürftigen werden aktuell zuhause betreut. Angesichts des eklatanten Fachkräftemangels bekommt die Familie damit eine immer wichtigere Rolle bei der Pflegeversorgung der Menschen in unserem Land. Pflegende Angehörige brauchen deshalb umfangreiche Entlastungs- und Unterstützungsmaßnahmen.

    Neben dem vollständigen Lohnausgleich bei Reduzierung der Arbeitszeit gehört dazu auch eine flächendeckende Beratungsinfrastruktur. Ein Beispiel dafür ist das erfolgreiche Modell der GemeindeschwesterPlus aus Rheinland-Pfalz – hochbetagte Menschen vor Ort aufzusuchen und den Familien mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Wie alle anderen Initiativen der SPD-Fraktion auch hat die schwarz-grüne Landesregierung aber auch diese Idee bisher ausgeschlagen.

    Der Pflegeberuf ist einer der wichtigsten in unserer Gesellschaft. Aber wenn die Landesregierung nicht langsam gegensteuert und ihrer eigenen Verantwortung gerecht wird, wird die Pflege zu einer der größten sozialen Problematiken unserer Zeit.

    Die Forderungen der SPD-Fraktion zum Tag der Pflegenden im Überblick: 6 Punkte für die Pflege

     

     

  • Rege Diskussion zum Thema Gesundheit und Pflege in Lüttringhausen

    Rege Diskussion zum Thema Gesundheit und Pflege in Lüttringhausen

    Fotos: Danielle Schäfer

    Eine Aussage von Dr. Junker auf der Veranstaltung am Dienstag ist sicherlich bei vielen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer haften geblieben. ‚Die Ökonomisierung im Gesundheitswesen hat in einigen Bereichen erkennbar die Grenzen des ethisch Vertretbaren erreicht‘. Nicht immer sei das technisch Machbare und gut Bezahlte auch das für den Patienten auch ethisch Sinnvolle. Herr Dr. Junker erläuterte dies beispielhaft an der im internationalen Vergleich in Deutschland sehr hohen Sterberate nach ECMO-Beatmung (extrakorporaler Membranoxygenierung).

    Das fasst zusammen, was ich für die wichtigste Botschaft an die Politik halte: Der Mensch muss im Gesundheitssystem wieder im Mittelpunkt stehen.

    Vertreterinnen und Vertreter der Gesundheitsberufe – von der Pflegedienstleitung über den selbstständigen Hausarzt bis zu Beschäftigten im Krankenhaus- und Pflegebereich – waren auf unsere Einladung nach Remscheid-Lüttringhausen in das Gebäude des CVJM gekommen. Entsprechend breit gefächert waren die Themen, die angesprochen wurden und mit den Diskussionsgästen Dr. Uwe Junker, Chefarzt des Zentrums für Anästhesie, Intensiv-, Schmerz- und Palliativmedizin des Sana-Klinikum Remscheid und Lisa Kapteinat, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD-Landtagsfraktion für Gesundheit und Pflege erörtert wurden.

    Eine äußerst sachkundige Diskussion. Breiten Raum nahm die Frage der Fachkräftegewinnung ein. Aber auch die Frage der ärztlichen Versorgung bei nachlassender Bereitschaft junger Ärztinnen und Ärzte, das Risiko der Selbstständigkeit zu tragen. Wir haben hier in Remscheid bereits mit dem kinderärztlichen Versorgungszentrum neue Wege eingeschlagen, um Ärzte von Verwaltungs- und Abrechnungsaufgaben zu entlasten.

    Im Pflegebereich bestünden noch zu viel Hürden, etwa bei der Auslandsakquise, bei der Anerkennung von Ausbildungen, dem Aufenthaltsrecht und der Familienzusammenführung, berichtete ein Teilnehmer. Die mangelnde Planbarkeit etwa von Wochenenden für Beschäftigte wurde gleichermaßen bei in der Pflege wie auch im Krankenhaus Beschäftigten deutlich. Ein eingeschränktes Sozialleben sei zusätzlich belastend, schilderte eine Teilnehmerin aus der Pflege.

    Positiv hinsichtlich Gewinnung und längerfristiger Bindung von ÄrztInnen an die Klinik wirke sich ein komplettes und gut strukturiertes Weiterbildungskonzept aus, das vor Ort auch neben der reinen Facharztausbildung den Erwerb begehrter Zusatzausbildungen ermögliche, so Junker.

    Überlastung entstehe in der Pflege auch durch die straff durchgetaktete Planung, die Ereignisse wie etwa den Sturz eines zu Pflegenden nicht berücksichtige, so dass dies sofort zu einer Minuskalkulation führe, erläuterte eine Teilnehmerin. Viele Beschäftigte seien belastet, da sie ihren eigenen Ansprüchen an gute Arbeit aus Zeitmangel nicht gerecht werden könnten. Ein wichtiges Thema am gestrigen Abend war auch die Frage der tariflichen Bezahlung und der Arbeitszeit.

    „Perspektivisch ist eine 35-Stunden-Woche unser Ziel“, so Lisa Kapteinat. „Das ist allerdings nicht sofort umsetzbar, sondern würde in noch mehr Personalmangel und persönliche Überforderung einmünden. Viele Beschäftigte sind bereits am Limit.“

    Ziel müsse sein, so Kapteinat, mehr auszubilden und im Gesundheitsbereich Ausgebildete, die in andere Berufsfelder gewechselt sind, in den Bereich der Gesundheitsberufe zurückzuholen. Der Bedarf an Mitarbeitenden werde noch steigen, wenn die Baby-Boomer-Generation in Rente gehe. Ein wichtiger Aspekt sei eine zusätzliche soziale Betreuung, wie etwa mit dem Modell der Gemeindeschwester Plus, mit dem Gesprächsbedarf entsprochen werden könne und sich um die Organisation von Arztbesuchen und Besorgungen gekümmert werde.

    Lisa Kapteinat betonte, es sei notwendig, zu einer anderen Finanzierung des Pflegesystems zu kommen, bei der alle in eine Pflegeversicherung einzahlten, und zu einer breiteren gesellschaftlichen Akzeptanz des Wertes der Arbeit, die dort geleistet werde. „Es kann doch nicht sein, dass wir dem Mechaniker, der das Auto repariert mehr zu zahlen bereit sind, als demjenigen, der die Oma pflegt“, so Kapteinat abschließend.

  • Helfende Pflegekräfte nach Brand in der Stiftung Tannenhof 2018 wurden gestern mit der Rettungsmedaille ausgezeichnet

    Helfende Pflegekräfte nach Brand in der Stiftung Tannenhof 2018 wurden gestern mit der Rettungsmedaille ausgezeichnet

    „Das schnelle, verantwortungsvolle und mutige Handeln der Pflegekräfte hat dazu geführt, dass niemand ums Leben kam und die Situation bereits entschärft war, bevor die 180 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rotem Kreuz und Johannitern am Brandort eintrafen“, erinnert Sven Wolf, der den Vorschlag machte, diese Tat mit der Rettungsmedaille auszuzeichnen.

    „Ich habe den Ministerpräsidenten angeschrieben und die tatkräftigen Helfenden vorgeschlagen. Die Hilfe erforderte in der Situation viel Nervenstärke, Umsicht und Besonnenheit, weil die Situation für psychisch erkrankte Bewohnerinnen und Bewohner der Stiftung Tannenhof eine besondere Belastung bedeutete. Die Würdigung und Anerkennung dieses couragierten Einsatzes durch die Verleihung der Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen ist eine schöne Geste.“

    Zusammen mit weiteren Helfenden aus ganz Nordrhein-Westfalen wurden die Pflegekräfte gestern für ihren großen Einsatz zum Schutz der Mitmenschen in Königswinter ausgezeichnet.

    „Ihren Mut und selbstlosen Einsatz auszuzeichnen erinnert uns daran, dass niemand in einer Notsituation hilflos allein gelassen wird, dass wir im Idealfalle alle zusammenhalten und füreinander sorgen. Und dass wir durch unser Handeln dazu beitragen können, dass dieser Zusammenhalt jeden Tag und jede Stunde ein Stück mehr verwirklicht wird.“

  • Solidarisch ist man nicht alleine

    Solidarisch ist man nicht alleine

    Mit meiner Videobotschaft möchte ich heute daran erinnern: Solidarisch ist man nicht alleine!

  • Bonuszahlungen sind das Mindeste

    Bonuszahlungen sind das Mindeste

    Zu der aktuellen Diskussion um Bonuszahlungen für Pflegekräfte, um damit die Wertschätzung für sie im Kampf gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie zu verdeutlichen, erklären Lisa-Kristin Kapteinat, stellvertretende Vorsitzende, und Josef Neumann, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag NRW:

    Lisa-Kristin Kapteinat: 

    „Wir fordern bereits seit Langem eine finanzielle Aufwertung der systemrelevanten Arbeit unserer Pflegekräfte. Deswegen habe ich mich auch sehr gefreut, dass Markus Söder unseren Vorschlag für eine Bonuszahlung an Pflegekräfte aufgegriffen hat. Jetzt muss Armin Laschet es ihm nur nachtun. Denn es ist mehr als angemessen und längst überfällig, dem ohnehin überarbeiteten Pflegepersonal mit einem Bonus Danke zu sagen. In dieser Situation ist es das Mindeste, was wir ihnen an Anerkennung schuldig sind. Noch wichtiger als einmalige Bonuszahlungen ist es aber, für eine grundsätzlich leistungsgerechtere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege die entsprechenden Rahmenbedingungen zu setzen.“

    Josef Neumann:

    „Natürlich unterstützen wir jegliche Bonuszahlungen an Pflegekräfte. Schliesslich haben wir diese bereits in den Plenarberatungen Ende März zum Nachtragshaushalt und dem NRW-Rettungsschirm zum Gegenstand unserer Forderungen gemacht. 1.500 Euro erscheinen mir dabei durchaus angemessen. Dabei ist aber zu beachten, dass hiervon alle Pflegekräfte – ob in der Klinik, im Pflegeheim oder in der ambulanten Pflege – eingeschlossen sind. Es darf keine finanzielle Benachteiligung einzelner Gruppen in der Pflege geben. Kurzfristig unterstützen wir eine Bonuszahlung für Pflegekräfte. Entscheidend ist aber, dass Löhne und die Arbeitsbedingungen in der Pflege nachhaltig verbessert werden. Eine einmalige Zahlung reicht in keinster Weise aus, um den Wert der Arbeit der Pflegekräfte angemessen zu würdigen.“