Schlagwort: Pflege

  • Wachsende Armutsgefahr in NRW durch Pflegebedürftigkeit

    Wachsende Armutsgefahr in NRW durch Pflegebedürftigkeit

    Foto: eliola auf Pixabay

    In NRW wächst die Gefahr, durch Pflegebedürftigkeit arm zu werden. Das musste die Landesregierung nun auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion („Arm durch Pflegebedürftigkeit – wie entwickeln sich die Zahlen der Hilfe zur Pflege in NRW?”, LT-Drs. 18/11235) bestätigen. Danach ist die Anzahl der Menschen, die in NRW Hilfe zur Pflege erhalten, von 2017 (93.064) bis 2021 (104.020) um 12 Prozent und bis 2023 (99.395) immer noch um 7 Prozent angestiegen. Eine zum 1.1.2022 wirkende Gesetzesänderung führte demnach zwar kurzfristig zu einem einmaligen leichten Knick bei den Hilfen zur Pflege. Diese Änderung wird aber inzwischen wieder aufgefressen. Schon im Folgejahr 2023 näherte sich die Zahl derer, die sich die Pflegekosten nicht mehr leisten konnten, dem früheren Niveau an. Und auch die Tendenz für 2024 dürfte klar nach oben zeigen.

    Hilfe zur Pflege erhält nach SGB XII, wer die von der Pflegeversicherung nicht gedeckten Kosten der Pflege nicht selbst zahlen kann. In dem Fall springen dann die Kommunen vor Ort ein. Die Hilfe zur Pflege gibt also auch Hinweise auf die Leistungsfähigkeit der Pflegeversicherung, die am 1. Januar 30 Jahre alt wird. Und sie ist ein Indikator für die Armutsgefahr durch Pflegebedürftigkeit.

    Mit der steigenden Armutsgefahr durch Pflegebedürftigkeit steigen auch die Ausgaben der Kommunen für Hilfe zur Pflege. Mussten sie im Jahr 2017 noch etwa 831 Millionen netto in NRW zur Unterstützung von Pflegebedürftigkeit aufwenden, waren es im Jahr 2021 bereits knapp 1,16 Milliarden Euro. Die Erhöhung der Unterstützung durch den Bund für Menschen, die in Pflegeheimen leben, senkte die kommunalen Ausgaben in NRW dann im Jahr 2022 vorübergehende auf knapp 792 Millionen Euro. Aber schon im Jahr 2023 schnellten die Aufwendungen der Kommunen für Hilfe zur Pflege in NRW um etwa 23 Prozent auf rund 975 Millionen Euro hoch. Auch hier gilt für die Zukunft: Tendenz weiter klar steigend.

    Dabei ist die Armutsgefahr durch Pflegebedürftigkeit in NRW regional unterschiedlich groß. In Duisburg zum Beispiel stiegen die kommunalen Ausgaben für Hilfe zur Pflege trotz Entlastung durch den Bund im Jahr 2022 von 2017 bis 2023 um knapp 32 Prozent, im Kreis Gütersloh um 40 gut Prozent und in Oberhausen und im Kreis Steinfurt gar um etwa 50 Prozent. An der Spitze des Anstiegs steht mit über 100 Prozent Steigerung der Kreis Unna. Im Kreis Kleve hingegen gingen die kommunalen Ausgaben für Hilfe zur Pflege von 2017 bis 2023 um knapp 9 Prozent zurück, in Düsseldorf um etwa 15 Prozent und Köln um 17 Prozent.

    Kaum gestiegen ist im Zeitraum 2017 bis 2023 hingegen das Engagement des Landes NRW für die Pflege. Die Bundesländer haben in Deutschland über die Investitionskostenförderung der Pflegeeinrichtungen die Möglichkeit, auf die Eigenanteile der Pflegebedürftigen Einfluss zu nehmen. Seit Karl-Josef Laumann wieder Gesundheitsminister in NRW ist, ist die Anzahl der Pflegebedürftigen in NRW deutlich angestiegen. So ist es auch mit den Ausgaben der Kommunen für die Menschen, die die von der Pflegeversicherung nicht gedeckten Kosten der Pflege nicht aus eigener Tasche zahlen können. Allerdings blieben die Ausgaben des Landes NRW für die Investitionskosten in der Pflege jedoch weitgehend konstant. Von 2017 bis 2023 stiegen sie lediglich um 4 Prozent von 681 Millionen Euro auf 709 Millionen Euro. In den stationären Pflegeeinrichtungen, also den Pflegeheimen, gingen die Ausgaben des Landes sogar um über 2 Prozent zurück – von rund 549 Millionen Euro auf rund 536 Millionen.

    Dabei sind es gerade die vollstationären Pflegeeinrichtungen, deren Kosten die Pflegebedürftigen, pflegende Angehörige und die Kommunen besonders belasten. In Städten wie Duisburg (82 Prozent), Oberhausen (73 Prozent) und Gelsenkirchen (71 Prozent) beziehen inzwischen fast alle Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen Hilfe zur Pflege, weil sie es selbst nicht mehr bezahlen können.

    Hierzu sagt Thorsten Klute, pflegepolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag NRW:

    „Die Zahlen zeigen eindeutig: Die Gefahr, durch Pflegebedürftigkeit arm zu werden, steigt in Nordrhein-Westfalen immer weiter an. Die Landesregierung setzt dem nichts entgegen und gibt keine neuen Impulse. Während die Ausgaben der NRW-Kommunen für Hilfe zur Pflege immer weiter steigen, macht sich Minister Laumann bei seiner Investitionskostenförderung für Pflegeeinrichtungen und Pflegedienste einen schlanken Fuß. Das geht zu Lasten der Pflegebedürftigen, der pflegenden Angehörigen und der Kommunen.

    Zum 30. Geburtstag der Pflegeversicherung müssen wir feststellen: Das Ziel bei ihrer Einführung Anfang 1995, Armut durch Pflegebedürftigkeit zu verhindern, erreicht die Pflegeversicherung nur noch bedingt. Die nächste Legislaturperiode des Bundestags muss deshalb eine Periode der Pflegereform werden. Pflegende Angehörige müssen deutlich mehr Unterstützung erfahren. Die Pflegeversicherung muss reformiert werden. Pflegebedürftigkeit darf nicht zwangsläufig in die Armut führen.“

  • Pflege braucht erste Hilfe – für Entlastung, Ausbildung, Zeit und Nähe

    Pflege braucht erste Hilfe – für Entlastung, Ausbildung, Zeit und Nähe

    Von Schwarz-Grün gibt es bislang nicht eine nennenswerte Initiative. Der mangelnde Gestaltungsanspruch der Landesregierung zeigt sich in der Pflegepolitik besonders deutlich. Dabei brennt es in der Pflege gerade lichterloh.

    In NRW fehlten zurzeit 24.000 Pflegekräfte. Gleichzeitig steigt die Zahl der Pflegebedürftigen kontinuierlich an. Hatten im Jahr 2019 noch rund 965.000 Menschen in NRW einen Pflegegrad, waren es zwei Jahre später schon fast 1,2 Millionen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Zahl der Ausbildungsverträge in der Pflege in NRW überdurchschnittlich stark zurück gegangen und um neun Prozent gesunken ist. Die Pflege in Nordrhein-Westfalen braucht also dringend erste Hilfe.

    Insbesondere die Tagespflege steht massiv unter Druck. Angesichts des starken Personalmangels und der eklatanten Kostensteigerungen warnt die Freie Wohlfahrtspflege bereits vor einer Welle an Betriebsschließungen. Und auch die rund 260 Pflegeschulen in NRW können ihre Investitionskosten oftmals nicht mehr decken. Für die Investitionsmittel ist die schwarz-grüne Landesregierung zuständig. Aber sie hat auf die Pflegefrage nicht eine einzige Antwort.

    Die SPD-Fraktion im Landtag NRW fordert von Minister Karl-Josef Laumann daher ein Sonderinvestitionsprogramm in Höhe von 10 Millionen Euro, um die Finanzierung der Ausbildung in der Pflege dauerhaft sicherzustellen.

    Der Pflegepolitik in NRW mehr Gewicht zu geben, ist eine Frage des Respekts. Respekt für die Pflegekräfte, die Pflegebedürftigen und auch für die pflegenden Angehörigen. Vor allem die Familie ist nach wie vor der größte Pflegedienst in NRW und Deutschland insgesamt.

    86 Prozent aller Pflegebedürftigen werden aktuell zuhause betreut. Angesichts des eklatanten Fachkräftemangels bekommt die Familie damit eine immer wichtigere Rolle bei der Pflegeversorgung der Menschen in unserem Land. Pflegende Angehörige brauchen deshalb umfangreiche Entlastungs- und Unterstützungsmaßnahmen.

    Neben dem vollständigen Lohnausgleich bei Reduzierung der Arbeitszeit gehört dazu auch eine flächendeckende Beratungsinfrastruktur. Ein Beispiel dafür ist das erfolgreiche Modell der GemeindeschwesterPlus aus Rheinland-Pfalz – hochbetagte Menschen vor Ort aufzusuchen und den Familien mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Wie alle anderen Initiativen der SPD-Fraktion auch hat die schwarz-grüne Landesregierung aber auch diese Idee bisher ausgeschlagen.

    Der Pflegeberuf ist einer der wichtigsten in unserer Gesellschaft. Aber wenn die Landesregierung nicht langsam gegensteuert und ihrer eigenen Verantwortung gerecht wird, wird die Pflege zu einer der größten sozialen Problematiken unserer Zeit.

    Die Forderungen der SPD-Fraktion zum Tag der Pflegenden im Überblick: 6 Punkte für die Pflege

     

     

  • „Häuser der Ewigkeit“ pflegen – verwaiste jüdische Friedhöfe erhalten

    „Häuser der Ewigkeit“ pflegen – verwaiste jüdische Friedhöfe erhalten

    Foto: Thomas Wunsch

    Dazu habe ich im Plenum gesagt:

    Gemeinsame Pressemitteilung der Fraktionen von CDU, SPD, GRÜNEN und FDP vom 30.03.2023:

    Dazu erklären Daniel Hagemeier, Sprecher der CDU-Fraktion im Hauptausschuss, Sven Wolf, Sprecher der SPD-Fraktion im Hauptausschuss, die Vorsitzende der Grünen Landtagsfraktion Verena Schäffer sowie Dirk Wedel, Sprecher im Hauptausschuss in der FDP-Landtagsfraktion NRW:

    „Jüdische Friedhöfe sind ein unschätzbares Zeugnis der über 1700 Jahre alten Geschichte der Jüdinnen und Juden in Deutschland. Sie zeigen wie und wo Jüdinnen und Juden in Deutschland über die Jahrhunderte gelebt haben, welche Stellung sie in der Gesellschaft hatten, wo und wann sie akzeptiert oder verdrängt und verfolgt waren.

    Aufgrund des Grundsatzes der Unantastbarkeit der Totenruhe haben jüdische Friedhöfe eine hohe religiöse Bedeutung. Im Hebräischen werden sie daher auch „Haus des Lebens“ oder „Haus der Ewigkeit“ genannt. Jüdinnen und Juden waren in Deutschland immer wieder von Ausgrenzung und Vertreibung bis hin zur Shoah betroffen. Für viele jüdische Friedhöfe bedeutet dies, dass es keine jüdischen Gemeinden mehr gibt, die sie pflegen könnten. Nicht zuletzt aus der menschenverachtenden Vernichtungspolitik des Nationalsozialismus erwächst für uns die besondere Verantwortung, diese wichtigen historischen Quellen angemessen zu pflegen.

    Die Kommunen tragen mit Mitteln des Bundes und der Länder Sorge für die Pflege der verwaisten jüdischen Friedhöfe, die zusammen 785.980 Quadratmeter groß sind. Da die derzeit zur Verfügung stehenden Mittel nicht mehr auskömmlich sind – die Pflegepauschale wurde seit 2010 nicht angepasst –, setzen wir mit dem heutigen Beschluss das Signal, dass Bund und Land gemeinsam die Mittel mit dem Haushalt für das Jahr 2024 erhöhen sollten. Die Landesregierung hat den Auftrag, sich in den Verhandlungen mit dem Bund für eine Erhöhung der anteiligen Kostenübernahme einzusetzen. Der Landtag von Nordrhein-Westfalen steht zu seiner historischen Verantwortung.“

    Antrag „Geschichte für die Zukunft erhalten – Verantwortung für die Pflege verwaister jüdischer Friedhöfe in Nordrhein-Westfalen weiterhin nachkommen“

  • Rege Diskussion zum Thema Gesundheit und Pflege in Lüttringhausen

    Rege Diskussion zum Thema Gesundheit und Pflege in Lüttringhausen

    Fotos: Danielle Schäfer

    Eine Aussage von Dr. Junker auf der Veranstaltung am Dienstag ist sicherlich bei vielen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer haften geblieben. ‚Die Ökonomisierung im Gesundheitswesen hat in einigen Bereichen erkennbar die Grenzen des ethisch Vertretbaren erreicht‘. Nicht immer sei das technisch Machbare und gut Bezahlte auch das für den Patienten auch ethisch Sinnvolle. Herr Dr. Junker erläuterte dies beispielhaft an der im internationalen Vergleich in Deutschland sehr hohen Sterberate nach ECMO-Beatmung (extrakorporaler Membranoxygenierung).

    Das fasst zusammen, was ich für die wichtigste Botschaft an die Politik halte: Der Mensch muss im Gesundheitssystem wieder im Mittelpunkt stehen.

    Vertreterinnen und Vertreter der Gesundheitsberufe – von der Pflegedienstleitung über den selbstständigen Hausarzt bis zu Beschäftigten im Krankenhaus- und Pflegebereich – waren auf unsere Einladung nach Remscheid-Lüttringhausen in das Gebäude des CVJM gekommen. Entsprechend breit gefächert waren die Themen, die angesprochen wurden und mit den Diskussionsgästen Dr. Uwe Junker, Chefarzt des Zentrums für Anästhesie, Intensiv-, Schmerz- und Palliativmedizin des Sana-Klinikum Remscheid und Lisa Kapteinat, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD-Landtagsfraktion für Gesundheit und Pflege erörtert wurden.

    Eine äußerst sachkundige Diskussion. Breiten Raum nahm die Frage der Fachkräftegewinnung ein. Aber auch die Frage der ärztlichen Versorgung bei nachlassender Bereitschaft junger Ärztinnen und Ärzte, das Risiko der Selbstständigkeit zu tragen. Wir haben hier in Remscheid bereits mit dem kinderärztlichen Versorgungszentrum neue Wege eingeschlagen, um Ärzte von Verwaltungs- und Abrechnungsaufgaben zu entlasten.

    Im Pflegebereich bestünden noch zu viel Hürden, etwa bei der Auslandsakquise, bei der Anerkennung von Ausbildungen, dem Aufenthaltsrecht und der Familienzusammenführung, berichtete ein Teilnehmer. Die mangelnde Planbarkeit etwa von Wochenenden für Beschäftigte wurde gleichermaßen bei in der Pflege wie auch im Krankenhaus Beschäftigten deutlich. Ein eingeschränktes Sozialleben sei zusätzlich belastend, schilderte eine Teilnehmerin aus der Pflege.

    Positiv hinsichtlich Gewinnung und längerfristiger Bindung von ÄrztInnen an die Klinik wirke sich ein komplettes und gut strukturiertes Weiterbildungskonzept aus, das vor Ort auch neben der reinen Facharztausbildung den Erwerb begehrter Zusatzausbildungen ermögliche, so Junker.

    Überlastung entstehe in der Pflege auch durch die straff durchgetaktete Planung, die Ereignisse wie etwa den Sturz eines zu Pflegenden nicht berücksichtige, so dass dies sofort zu einer Minuskalkulation führe, erläuterte eine Teilnehmerin. Viele Beschäftigte seien belastet, da sie ihren eigenen Ansprüchen an gute Arbeit aus Zeitmangel nicht gerecht werden könnten. Ein wichtiges Thema am gestrigen Abend war auch die Frage der tariflichen Bezahlung und der Arbeitszeit.

    „Perspektivisch ist eine 35-Stunden-Woche unser Ziel“, so Lisa Kapteinat. „Das ist allerdings nicht sofort umsetzbar, sondern würde in noch mehr Personalmangel und persönliche Überforderung einmünden. Viele Beschäftigte sind bereits am Limit.“

    Ziel müsse sein, so Kapteinat, mehr auszubilden und im Gesundheitsbereich Ausgebildete, die in andere Berufsfelder gewechselt sind, in den Bereich der Gesundheitsberufe zurückzuholen. Der Bedarf an Mitarbeitenden werde noch steigen, wenn die Baby-Boomer-Generation in Rente gehe. Ein wichtiger Aspekt sei eine zusätzliche soziale Betreuung, wie etwa mit dem Modell der Gemeindeschwester Plus, mit dem Gesprächsbedarf entsprochen werden könne und sich um die Organisation von Arztbesuchen und Besorgungen gekümmert werde.

    Lisa Kapteinat betonte, es sei notwendig, zu einer anderen Finanzierung des Pflegesystems zu kommen, bei der alle in eine Pflegeversicherung einzahlten, und zu einer breiteren gesellschaftlichen Akzeptanz des Wertes der Arbeit, die dort geleistet werde. „Es kann doch nicht sein, dass wir dem Mechaniker, der das Auto repariert mehr zu zahlen bereit sind, als demjenigen, der die Oma pflegt“, so Kapteinat abschließend.

  • Digitaler Austausch Gesundheit und Pflege – unsere Veranstaltung vom 15. Februar

    Digitaler Austausch Gesundheit und Pflege – unsere Veranstaltung vom 15. Februar

    Eine spannende Diskussion dazu hatten wir am 15. Februar, die auch digital übertragen wurde, mit:

    • Tobias Schneider • Stellvertretender Landrat des Oberbergischen Kreises
    • Dr. med. Roland Adelmann • Chefarzt am Kinderklinikum Oberberg
    • Corinna Demuth • Pflegedienstleiterin

    Auszüge daraus können Sie auf meinem Youtube-Kanal sehen:

     

    Unseren Leitantrag zur Gesundheits- und Pflegepolitik „Maximal Mensch. Statt maximal Gewinn.“

    sowie weiteres Infomaterial finden Sie auf unserer Themenseite: http://www.machen-wir.de/maximalmensch

    aximalmensch

  • Einladung zum digitalen Austausch über Gesundheit und Pflege am 15.02.2022

    Einladung zum digitalen Austausch über Gesundheit und Pflege am 15.02.2022

    Unser Gesundheitssystem bietet nicht die besten Bedingungen: Das Personal ist überlastet und unterbezahlt, Patientinnen und Patienten sind „Fallpauschalen“ und Krankenhäuser stehen vor der Schließung. Längst hat die Pandemie die Missstände in unserem Gesundheitswesen aus dem Schatten ins Rampenlicht gerückt. Eine umfassende Diskussion darüber, was uns Gesundheit und Pflege wert sind, ist längst überfällig. Doch wie sieht eine Gesundheits- und Pflegeversorgung von morgen aus, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt?

    Lange Wartezeiten für Termine bei Haus- oder Fachärzt*innen – was tun gegen den Mangel an niedergelassenen Praxen. Mindestbesetzung oder der Bedarf von Patientinnen und Patienten – woran soll sich der Einsatz des Pflegepersonals künftig orientieren? Sollen Krankenhäuser geschlossen werden, damit ausreichend Personal für die übrigen Krankenhäuser verfügbar ist? Oder sollte die Politik mutig sein und sich am Gemeinwohl orientieren – um damit genügend qualifizierte Pflegekräfte für die wachsende Zahl an Pflegebedürftigen zu sichern?

    Diese und weitere Fragen möchten wir mit Ihnen diskutieren am:

    • DIENSTAG · 15. FEBRUAR 2022
    • 19.00 UHR
    • DIGITAL · ZOOM

    19.00 Uhr Begrüßung und Einführung in die Gesprächsrunde

    Sven Wolf MdL • Stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag NRW

    Diskussion mit:

    • Tobias Schneider • Stellvertretender Landrat des Oberbergischen Kreises
    • Dr. med. Roland Adelmann • Chefarzt am Kinderklinikum Oberberg
    • Corinna Demuth • Pflegedienstleiterin

    20.30 Uhr Zusammenfassung und Ausblick

    20.45 Uhr Ende der Veranstaltung

     

    Für die Veranstaltung können Sie sich unter dem folgendem Link anmelden: http://www.machen-wir.de/gesundheitgm

     

    Unseren Leitantrag zur Gesundheits- und Pflegepolitik „Maximal Mensch. Statt maximal Gewinn.“

    sowie weiteres Infomaterial finden Sie auf unserer Themenseite: http://www.machen-wir.de/maximalmensch

  • Zustand des Gesundheitssystems in NRW nicht hinnehmbar – Aktionsplan stellt Menschen statt Profit in den Mittelpunkt

    Zustand des Gesundheitssystems in NRW nicht hinnehmbar – Aktionsplan stellt Menschen statt Profit in den Mittelpunkt

    Foto: Daniel Behmenburg

    Hierzu erklären Thomas Kutschaty, Vorsitzender, Lisa-Kristin Kapteinat, stellvertretende Vorsitzende, und Josef Neumann, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion:

     

    Thomas Kutschaty:

    „Der Zustand des Gesundheitssystems in NRW ist so nicht länger hinnehmbar. Denn schon ohne die Belastung durch die Pandemie ist klar: Unser Gesundheitssystem bietet nicht die besten Bedingungen. Das Personal ist überlastet und unterbezahlt. Patientinnen und Patienten werden zu ‚Fallpauschalen‘. Und durch die Pläne der Landesregierung drohen Krankenhäuser geschlossen zu werden.

    Wir kämpfen für eine gute und sichere Versorgung nah am Wohnort – auch auf dem Land, auch in benachteiligten Stadtteilen. Missstände wollen wir mit unserem Aktionsplan ‚Gesundheit & Pflege‘ überwinden.  Selbstverständlich ist eine gute Gesundheitsversorgung nicht. Man muss viel in sie investieren. Wir wollen attraktive Arbeitsbedingungen in Pflegeberufen schaffen. Dazu gehört eine Personalbemessung, die am Bedarf orientiert ist. Die 35-Stunden-Woche in der Pflege muss ein langfristiges Ziel sein. Ebenso fordern wir bessere Löhne in der Pflege, die der Leistung der Beschäftigten gerecht werden. So gelingt es, Pflege im Sinne der Beschäftigten und der Patientinnen und Patienten zu stärken.

     

    Lisa-Kristin Kapteinat:

    „Nicht das Geld sondern der Mensch muss im Mittelpunkt unseres Gesundheitssystems stehen. Das wollen wir mit unserem Aktionsplan erreichen. Vier Offensiven sind dabei notwendig. Mit der Offensive ‚Respekt und gute Arbeit‘ wollen wir unter anderem die Tarifbindung in der Langzeitpflege stärken. Mit ‚Guter Gesundheit vor Ort‘ kämpfen wir gegen den Kahlschlag in der Krankenhauslandschaft. Stattdessen brauchen wir ein Zukunftsprogramm zur Digitalisierung des Gesundheits- und Pflegebereichs von drei Milliarden Euro.  Mit unserer Offensive ‚Gleicher Zugang zu Gesundheit für alle‘ wollen wir dem Ärztemangel in unterversorgten Regionen und benachteiligten Stadtteilen entgegen wirken. Alle Menschen in NRW verdienen die beste Versorgung unabhängig vom Geldbeutel. ‚Zukunfts- und krisenfeste Versorgung‘ bedeutet für uns bessere Prävention. Dafür müssen wir unter anderem das Thema Gesundheit im Lehrplan verankern.“

    Fotos: Daniel Behmenburg

    Josef Neumann:

    „Eine der großen Herausforderungen für unser Gesundheitssystem ist der demografische Wandel. Wir dürfen diese Entwicklung nicht einfach abwarten, sondern müssen jetzt handeln. Dafür bringen wir den Antrag ins Plenum ein, das das Modell der GemeindeschwesterPlus in NRW zu erproben. Dieses Modell begegnet der Herausforderung einer älterwerdenden Gesellschaft. Es trägt dazu bei, Pflegebedürftigkeit und Vereinsamung älterer Menschen zu  vermeiden oder zumindest zu verzögern.

    Die Gemeindeschwestern sind erfahrene Pflegefachkräfte. Sie sollen flächendeckend in allen Kommunen tätig sein. Dort sind die Gemeindeschwestern zentrale Anlaufstelle für alle Fragen rund um die Themen Gesundheit und Pflege. Sie bieten Orientierung und vermitteln Kontakte. Das kann etwa der Kontakt zu einer geselligen Seniorenrunde sein. Oder ein Angebot, die Wohnung barrierefrei zu gestalten. In Rheinland-Pfalz haben sich die Gemeindeschwestern bewährt. Das wollen wir auch für die Menschen in NRW.“

  • Zukunftskonferenz Gesundheit und Pflege „Maximal Mensch. Statt maximal Gewinn.“

    Zukunftskonferenz Gesundheit und Pflege „Maximal Mensch. Statt maximal Gewinn.“

    Die Lage unseren Krankenhäusern und Arztpraxen ist ernst. Patientinnen und Patienten leiden unter langen Wartezeiten. Die Kapazitäten für Behandlungen in der Kinder- und Jugendmedizin sind viel zu gering. Der Personalmangel ist gefährlich für alle Seiten.

    In der Pflege sieht es ähnlich düster aus: Das Personal ist chronisch unterbesetz und deswegen überlastet. Pflegende Angehörige werden völlig vernachlässigt. Ein gut und flächendeckend ausgebautes ambulantes Pflegangebot? Fehlanzeige. Diese Realität hat eine Ursache: Fachkräftemangel.

    Diejenigen, die den Laden trotz aller Widrigkeiten am Laufen halten, sind die Beschäftigten. Ihre Leistungen in nordrhein-westfälischen Pflegeheimen und Krankenhäusern sind überragend. Ihre Arbeitsbedingungen hingegen sind viel zu oft unterirdisch. Viele Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte arbeiten über Jahre am Rande ihrer Belastbarkeit – und darüber hinaus. Auch das nicht-medizinische Personal arbeitet am Limit, um das System irgendwie vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Das System funktioniert. Aber nur auf Kosten der Beschäftigten.

    Die Corona-Pandemie hat uns allen überdeutlich vor Augen geführt, wie notwendig Verbesserungen sind. Der Maßstab für unser Gesundheitssystem darf nicht Gewinnmaximierung, sondern muss eine gesunde Bevölkerung sein. Patientinnen und Patienten sind niemals Fallpauschalen – sondern Menschen. Nicht permanent genutzte Betten sind  keine Überkapazitäten – sondern Sicherheitsreserven für uns alle.

    Gute Arbeitsbedingungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind niemals nur ein Kostenfaktor – sondern ein Qualitätsmerkmal. Eine verlässliche Gesundheitsversorgung muss zuerst garantieren, dass alle eine gute Behandlung bekommen. Hinzu kommt die bestmögliche  Vorsorge, gute  Versorgung und der Zugang zu modernen Therapien – unabhängig vom Einkommen und Wohnort.

    Zukunftskonferenz Gesundheit und Pflege: Anmeldung

  • Internationaler Tag der Pflege, aber von Sana kommen Kündigungen!

    Internationaler Tag der Pflege, aber von Sana kommen Kündigungen!

    Foto: Pixabay

    Wir brauchen mehr Personal zur Entlastung des Pflegepersonals und auf keinen Fall weniger. Auf das Pflegefachpersonal kommt jetzt mehr Arbeit zu, wenn Service-Kräfte gekündigt werden.

    Wie das gelöst werden soll, ist noch vollkommen unklar. Das hat mir zuletzt auch die Konzernbetriebsratsvorsitzende Gudrun Hedler in unseren Gesprächen bestätigt.

    In der Pandemie hat die Bundesregierung die Krankenhäuser mit Milliarden unterstützt. Jetzt muss ein Konzern wie Sana auch seiner Verantwortung gegenüber den Beschäftigten gerecht werden!

    Gute Pflege muss auch durch guten Lohn und gute Arbeitsbedingungen honoriert werden. Dazu ist ein Pflegetarifvertrag nötig, der sich mindestens an den bereits vorhandenen Flächentarifverträgen des öffentlichen Dienstes und der Wohlfahrtspflege orientiert.

    Auf keinen Fall dürfen Haustarife zur Grundlage für einen Pflegetarifvertrag gemacht werden, wie es Bundesgesundheitsminister Spahn vorsieht. Die angekündigte Pflegereform von Minister Spahn ist bisher eine Luftnummer.

    Auch Landesgesundheitsminister Laumann muss hier mehr Druck machen und sich um eine Entlastung und Unterstützung der Beschäftigten in der stationären und häuslichen Pflege und pflegender Angehöriger kümmern.

    Ich hoffe sehr, dass wir nach Pandemie endlich über das Gesundheitssystem diskutieren. Der Weg zu immer mehr Ökonomisierung ist ein Holzweg!

  • Pflegebonus kann nur der erste Schritt sein – Land NRW muss 500 Euro draufsatteln

    Pflegebonus kann nur der erste Schritt sein – Land NRW muss 500 Euro draufsatteln

    Dazu erklärte Josef Neumann, sozialpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag NRW:

    „Das ist eine gute Nachricht für die Beschäftigten in der Altenpflege, aber das reicht uns nicht. Wir fordern, den Pflegebonus auf alle Pflegekräfte im Gesundheitsbereich auszudehnen, die jetzt in dieser Krise alle hervorragende Arbeit leisten. Damit stehen wir an der Seite der Gewerkschaften und der Verbände. Zusätzlich zu den 1000 Euro muss schnellstmöglich das Land die weiteren 500 Euro zahlen.

    Die einmalige Bonuszahlung kann aber nur ein erster Schritt sein. Flächendeckende Tarifverträge mit guten Arbeitsbedingungen und guter Bezahlung müssen jetzt folgen. Der Applaus auf den Balkonen für die Helden des Alltags ist gut und richtig, die Beschäftigten haben aber vor allem eine Wertschätzung verdient, die sich nachhaltig auszahlt.“